Ein Bürgerkrieg der nicht sein darf

Ziffer 11 des Pressekodex verbietet Gewaltdarstellungen. Doch was tut der Journalist, wenn er über einen Krieg berichten will, weil er sowohl von der Presse als auch den Regierungen verschwiegen wird?
Er muss sich über den Pressekodex hinwegsetzen, denn dies tun andere Medien ja auch, weil sie nicht wahrheitsgemäß berichten.

Wenn Sie in diesen Wochen in den Nachrichten Meldungen hören wie „Auch diesen Samstag gehen die Proteste der Gelbwesten in Frankreich weiter“ dann beschreibt diese Meldung nichtmal im Ansatz, was in Frankreich wirklich passiert.

Jetzt, da ich diesen Artikel schreibe, gab es bereits zehn Tote und mindestens vier Schwerstverletzte kämpfen um ihr Leben. Diese vier Schwerstverletzten wurden von der französischen Polizei durch Schüsse gegen den Kopf aus kürzester Distanz, einer davon sogar aufgesetzt, angeschossen.

Ausgelöst wurden die Proteste in Frankreich von der geplanten Ökosteuer auf Benzin. Dies war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron verfolgt eine stark sozialistische Politik. Doch wie alle anderen sozialistischen Politiker verfolgen alle nicht die Bedürfnisse der Unter- und Mittelschicht sondern die der Oberschicht.
Und dies führt zu Unruhen in Frankreich, der sich mittlerweile mehr als eine Million Franzosen landesweit angeschlossen haben. Als Erkennungszeichen tragen sie alle eine gelbe Warnweste.

Gelbwesten in Paris

Wer die Demonstrationen, welche in den ersten 6 Wochen nur an Samstagen statt fanden, verfolgt hat, dem fiel auf, dass die französische Polizei und die Geheimpolizei von Anfang an sehr aggressiv und brutal gegen die Demonstranten vorging. Doch nicht nur gegen diese, auch gegen Journalisten und Rettungssanitäter. So wurden mehrfach Sanitäter mit Verletzten auf der Trage daran gehindert, die Demonstration zu verlassen.

Bergung eines Verletzten inmitten des Tränengasnebels

Auch gezielte Schüsse mit Tränengasgranaten konnte man immer wieder erkennen. Diverse freie Journalistenteams, darunter auch Russia Today, zeigten immer wieder in den Liveübertragungen diese Bilder.

Schwerverletzter nach Granatenbeschuss

In den deutschen Medien hingegenhält man sich vornehm zurück. Es soll in Deutschland keine Nachahmer geben, denn auch in Deutschland gibt es seit mehr als zwei Jahren intensive Proteste gegen die Politik.

Tränengasgranatengewehr

Was aber auch verschwiegen wird, ist der intensive Beschuss mit Gummigeschossen und Tränengasgranten, die eine Sprengladung von 25 Gramm TNT mit sich führen und beim Aufprall explodieren, so dass viele kleine Gaskartuschen in alle Richtungen gesprengt werden.
Eben diese Granaten werden gezielt auf Demonstranten geschossen.

Tränengas füllt die Strassen Frankreichs

Und eben letzten Samstag das erste mal überhaupt auch als fast aufgesetzten Schuss. Die Schussentfernung betrug weniger als einen Meter.

Aufgesetzter Schuss

Dieser Mann kämpft um sein Leben und es ist ungewiss, ob er überleben wird, da die Granate direkt in seinem Gesicht explodierte.

Diese Szenarien sind es, die aus mehr oder weniger friedlichen Protesten mittlerweile einen Bürgerkrieg haben werden lassen.
Am 30. Dezember meldete der Fernsehsender RT, die französische Polizei habe mehr Waffen angefordert um gegen die Gelbwesten vorzugehen.

Femen vs Polizei
Demonstrantin vs Polizei
Demonstrantin vs Polizei

Die Frage, die sich mir stellt, kann man einen Bürgerkrieg durch vertuschen verhindern? Und ist es das wirklich wert, weil man Angst hat, die EU könnte auseinanderbrechen, wenn erst bekannt wird, dass sich soziale Unruhen durch Europa verbreiten? Immerhin sind die Proteste auch schon nach Belgien, Deutschland und Österreich geschwappt, doch niemand weiß davon, weil keiner darüber berichtet.
Ist es nicht viel mehr ein hinauszögern des unausweichlichen?

Direkter Gasgranatenbeschuss

Ob das Volk nun ruft „Macron demission“ oder „Merkel muss weg“, der Antrieb ist der gleiche.
Der ein oder andere mag sich noch erinnern, als auf einer Montagsdemo in Dresden ein 60cm grosser Galgen gezeigt wurde, auf dem unter anderem Merkels Name stand. Was haben sich Politiker und Presse darüber aufgeregt und alle Demonstranten als Nazis beschimpft. In der Presse wurde ein Foto des Galgens so dargestellt, dass es den Anschein hatte, dieser sei über zwei Meter groß.

Nicht anders ist es in Frankreich, nur sind dort die Galgen Guillotinen und im Maßstab eins zu eins.

Guillotine für Macron

Frankreich brennt aber in Europa herrscht Nachrichtensperre.
Ich weiß nicht, ob mich dies oder eher der Umstand, daß mir dieser Artikel neben Rügen des Presserats auch Strafanzeigen wegen Volksverhetzung einbringen kann, mehr Unbehagen bereitet. Wir haben die Presse- und Meinungsfreiheit im Grundgesetz verankert aber es gibt in Deutschland seit einigen Jahren weder das eine noch das andere.

Abgetrennte Hand in Folge einer explodierenden Gasgranate

Wie groß indes die panische Angst auch in Deutschland ist, zeigt ein Vorfall im Süden Deutschlands. Dieser Tage trafen sich fünf Personen in einem Cafe. Alle trugen gelbe Warnwesten. Es dauerte nicht lange bis die Polizei erschien und die Gruppe aufforderte, sich auszuweisen. Die Polizei begründete die Kontrolle mit dem Verdacht auf eine terroristische Gruppierung.