Wenn die Feuerwehr erst mal testen muss

Neuruppin – Es ist mitten in der Nacht. Ihr Hund weckt Sie mit lautem bellen. Es brennt unten im Haus. Voller Panik rufen Sie die 112, melden den Brand im Erdgeschoss, teilen dem Feuerwehrmann in der Leitstelle mit, dass viele Familien mit kleinen Kindern in den unteren Etagen wohnen. Die Leitstelle gibt Alarm. Geordnet aber zügig eilen die Berufsfeuerwehrmänner und -frauen zu den Fahrzeugen. Die zahlreichen Helfer der freiwilligen Feuerwehren sind auch schon alarmiert und auf dem Weg in die Dienststellen. Jeden Moment sollten die ersten Löschzüge mit lautem Tatütata losrasen, denn es stehen zahlreiche Menschenleben auf dem Spiel. Von den Haustieren ganz zu schweigen.
Doch es passiert … nichts.

Denn es ist zuerst ein Corona Schnelltest angesagt. Jeder Ungeimpfte muss erst getestet werden, ob er auch bei dem Einsatz dabei sein darf. Die Kollegen müssen warten, denn ein Löschzug geht nur in voller Mannstärke raus. Dass die Feuerwehrleute jetzt FFP2-Masken tragen müssen, spielt keine Rolle, denn Gesetz ist Gesetz und Allgemeinverfügung ist Allgemeinverfügung.

Die Zeit verrinnt. Abstrich, Stäbchen ins Röhrchen, warten, Inhalt vom Röhrchen auf den Teststreifen, fünfzehn Minuten warten.

Da verbrennen Menschen? Egal, denn sie könnten alternativ auch durch die Feuerwehr infiziert werden, schwer an Covid-19 erkranken und damit unser Gesundheitssystem respektive jenes der Ruppiner Kliniken überlasten. Dann doch lieber gleich zum Bestatter, das ist sozialverträglicher.

Sie glauben mir nicht? Gut, den von mir beschriebenen Brand in diesem Ausmaß habe ich mir ausgedacht. Doch einen Brand, den gab es dieser Tage. Und die nicht ausrückende Feuerwehr wegen zunächst durchzuführender Covid-19 Tests gab es auch.

Was heißt, gab? In OPR ist es jetzt Usus, dass jeder Feuerwehrmann und -frau, welcher nicht geimpft ist, vor einem Einsatz einen negativen Test vor Ort und unter den Augen des Chefs durchführen muss, bevor der Löschzug den Standort verlässt. Ich muss zugeben, wüsste ich nicht, dass in Hamburg kein nicht geimpfter Feuerwehrmann bzw. -frau mehr zum Einsatz fahren darf, ich hätte die Hinweise nicht geglaubt. Denn meine Presseanfrage zu diesem Thema wollte die Berufsfeuerwehr Neuruppin Ostprignitz-Ruppin lieber nicht beantworten.
Rückfragen in anderen Bundesländern wurden mir beantwortet und tatsächlich, es werden neuerdings ganz bewusst Tote in Kauf genommen, weil man lieber nicht mehr hilft, anstatt ungetestet und damit möglicherweise Corona-infiziert zu helfen, wohingegen ein geimpfter sehr wohl helfen darf und sei er noch so kontaminiert.

Da kann man nur frei nach Erich Honecker sinnieren: “Den Wahnsinn in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!”

Update 16.01.2022:
Offenbar hat dieser Artikel mitten ins Schwarze getroffen. Wie man uns mitteilte, gibt es in Neuruppin keine Berufsfeuerwehr, sondern die Berufsfeuerwehr unterstünde dem Kreis. Diesen Fehler haben wir gerne korrigiert. Angesprochen auf abfällige Kommentare (“Wie kommt der nur darauf, so einen Unsinn zu schreiben?”) wurde uns mitgeteilt, dass die Problematik mit den Corona-Tests bekannt sei, aber nicht kommentiert werden soll. Ebenfalls sucht die Feuerwehrleitung mutmaßlich nach den undichten Stellen, denn dieses Thema hätte wohl nie an die Öffentlichkeit gedurft.
Ich danke den Berichtenden und sichere jedem einzelnen vollständigen Informantenschutz zu.

 

Titelbild: Christian Wiediger