Skandale um Hakenberger Fleisch GmbH reissen nicht ab

Die Skandale um die Hakenberger Fleisch GmbH reissen nicht ab.
Es ist gerade einmal acht Monate her, dass der Schlachthof die Zeitungen füllte.
Anfang März 2018 wurde der Schlachtbetrieb Ziel einer Razzia durch das LKA. Der Vorwurf lautete Korruption. Doch nicht Gelder flossen sondern es ging lediglich um regelmässige Essenseinladungen an den Amtstierarzt, der für den Betrieb zuständig war.
Zwei Jahre zuvor nämlich wurden massive Verstösse gegen den Tierschutz und Tierquälereien auf dem Schlachthof bekannt.
Hauptanklagepunkt war der Vorwurf gegen den Schlachter André W., einen Bullen mit einem Elektroschocker massiv traktiert zu haben. Zeugen erklärten, der Bulle habe vor Schmerzen gebrüllt. Bei den weiteren Untersuchungen wurde bekannt, dass es offenbar schon öfter zu Tierquälereien kam und auf dem Betrieb offenbar ganz und gar nicht ein „stressfreies und entspanntes Schlachten“ stattfindet.
Die Hakenberger Fleisch GmbH kündigte jedoch André W. fristlos und das Amtsgericht Neuruppin verurteilte diesen zu einer Geldbusse von 200,- Euro.
Nun könnte man glauben, es handle sich um einen Einzelfall und kauft weiter seinen Sonntagsbraten von diesem Öko-zertifizierten Schlachtbetrieb.
Als dann im März der Vorwurf laut wurde, die zahlreichen Essenseinladungen an den Amtstierarzt hätten nur den Hintergrund gehabt, dass dieser nicht mehr ganz so genau hinschaut, war das Gschmäckle dann schon etwas komisch. Doch auch im März erklärte Jens Winter, der Geschäftsführer der Schlachterei, dass alles nur ein Irrtum sei, die Vorwürfe seien haltlos.
Auch dieses mal könnte man ihm Glauben schenken, kamen die Vorwürfe doch mutmaßlich von André W.

Die HafleG wirbt mit dem Slogan „respektvoller Umgang mit den Tieren in unserem kleinen Schlachtbetrieb direkt vor Ort“ und zeichnet auf ihrer Webseite ein Bild eines malerischen Landwirtschaftsbetriebes.
Und klar ist ja mal, Tiere schlachten ist nicht schön anzusehen aber leider ein notwendiges Übel.
Doch als heute bekannt wurde, dass es ein Video der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) gibt, auf dem zu sehen ist, dass auf dem Schlachthof Rinder geschlachtet wurden, die noch nicht fachgerecht betäubt waren, kamen diese Erinnerungen schlagartig wieder hoch. Auf den Aufnahmen, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen erstellt wurden, ist zu sehen, wie Beschäftigte des Unternehmens mehrfach erfolglos versuchen, Rinder mit einem Bolzenschussgerät zu betäuben. Die Rinder zeigten aber weiterhin Reaktionen. Offensichtlich wurde die Betäubung nicht fachmännisch durchgeführt. Außerdem bluten die Tiere nicht schnell genug aus, weil die Mitarbeiter falsche Schnitte ansetzen. Darüber hinaus zeigen die Bilder, wie die Rinder vor der Schlachtung von einem Arbeiter getreten und mit einem Stock geschlagen werden. Auch Elektroschocker zum Treiben seien vorschriftswidrig gegen den Kopf eingesetzt worden.
Die Liste der Quälereien ist lang, dabei ist das Videomaterial gerade einmal in nur zwei Tagen mit versteckter Kamera entstanden.
„An den beiden Tagen, an denen diese Aufnahmen entstanden sind, ist bei mindestens acht Rindern deutlich zu erkennen, dass sie während des Entblutens nicht vollständig betäubt sind. Darauf deuten das Heben des Kopfes und die Schreie der Tiere hin“, sagt Sandra Franz, Pressesprecherin von ARIWA, dazu. Außerdem zeigen die Bilder, die zuerst dem rbb vorlagen, wie die Rinder vor der Schlachtung von einem Arbeiter getreten und mit einem Stock geschlagen werden. Auch Elektroschocker zum Treiben werden eingesetzt.

„Respektvoller Umgang mit den Tieren in unserem kleinen Schlachtbetrieb direkt vor Ort“, man ist sich nicht sicher, ob dieser Slogan ein Marketingscherz ist oder jemand dies wirklich ernst meint. Immerhin steht die HafleG nun seit mehr als zwei Jahren medial unter Dauerfeuer und man mag sich nicht ausrechnen, wie viele Tiere möglicherweise in den letzten Jahren hier förmlich zu Tode gequält wurden.
So ist mindestens ein Fall bekannt, bei dem ein Rind durch einen versperrten Weg überhaupt nicht weiter gehen konnte, der Schlachter aber trotzdem das Tier mit dem Elektroschocker malträtierte.

ARIWA verlangt die Schließung des Schlachthofes. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz verurteilte die Praktiken. Sie fordert bundesweit Videoaufnahmen in Schlachtbetrieben, um Verstöße besser ahnden zu können.

Der agrarpolitische Sprecher der AfD Fraktion im Brandenburger Landtag Sven Schröder teilte als Reaktion auf die rbb-Recherchen auf Anfrage mit: „Wir werden zunächst im Wege einer kleinen Anfrage klären, ob und wenn, inwieweit es zu Versäumnissen gekommen ist, diesen Betrieb in den letzten Jahren zu überprüfen. Aber es müssen im ganzen Land die Schlachthöfe besser überprüft und sanktioniert werden, so es zu Verfehlungen kommt. Es ist nicht hinzunehmen, dass Tiere auf Schlachthöfen, und nicht nur dort, gequält werden. Wir hatten erst kürzlich den Fall, dass Ferkel auf den Boden geworfen wurden, um diese zu töten.“

Simone Heiland, die zuständige Amtstierärztin, erklärte auf Nachfrage, man habe die Sachkundenachweise zum schlachten von Tieren allen Mitarbeitern entzogen. Der Betrieb habe keinen Schlachter mehr und sei daher nicht mehr befugt, Schlachtungen vorzunehmen. Auch werde das hiesige Veterinäramt den beteiligten Mitarbeiten die Erlaubnis zum schlachten nie wieder erteilen, da die Videoaufnahmen Szenen zeigen, die eindeutig belegen, dass den Tieren grausame Schmerzen, Qualen und maßloses Leid zugefügt wurden und es sei nicht davon auszugehen, dass diese Mitarbeiter zukünftig anders agieren würden. Der Schlachtbetrieb selbst ist aber nicht geschlossen worden. Ebenfalls erklärte Frau Heiland, es sei nahezu unmöglich, jeden Schlachtbetrieb lückenlos zu überwachen. Eine Strafanzeige gegen jeden betroffenen Mitarbeiter werde nun gefertigt. Sobald die HafleG neue Mitarbeiter mit dem entsprechenden Sachkundenachweis zum schlachten von Tieren gefunden hat, darf die Firma den Schlachtbetrieb wieder aufnehmen.