Die Ängste des Jörg Meuthen

Björn Höcke, Andreas Kalbitz  Roland Hartwig. Jörg Meuthen feuert, zieht und mahnt ab. Einen nach dem anderen.
Jörg Hubert Meuthen hat einiges zu verlieren als Finanzbeamter. Sollte die AfD wegen verfassungswidriger Strömungen in schweres Fahrwasser kommen, könnte Meuthen seine Pension als Finanzbeamter verlieren und Meuthen braucht Geld. Viel Geld. Immerhin hat er fünf Kinder mit zwei Frauen und seine dritte Ehefrau hat auch noch fünf Kinder mit in die Ehe gebracht.
Nicht ganz das, was in der AfD gut angesehen ist. Dort wird applaudiert, wenn jemand jahrzehntelang mit der gleichen Frau oder dem gleichen Mann verheiratet ist.
Aber das scheint nicht zu stören. Immerhin ist Jörg Meuthen eine Persönlichkeit. Er kann gut sprechen und er weiß, wovon er spricht. Jeder seiner Sätze klingt wohlüberlegt und überlegen, seinen oftmals hysterischen Gegenübern aus Linken und Grünen.
Doch hat Meuthen sich wie ein Schulkind treiben lassen von eben diesen Linken und Grünen, als er sich auf die Forderung der Linken einließ, man werde die AfD erst dann akzeptieren, wenn Björn Höcke die Partei verlassen habe.
Viele haben Meuthen erklärt, dass diese Forderungen kein Ende nehmen werden, doch er wollte nicht hören. Und versagte dann auch noch beim Parteiausschluss. Höcke war doch zu mächtig, denn wer Höcke kennt, der sieht ihn ihm keinen Nazi, wie ihn diejenigen nennen, die immer so auf Antirassismus, Antishaming und Anti-Geschlechtertrennung achten. Höcke ist ein Mann, der gerne mit scharfer Zunge spricht und das kommt bei intellektuell unterlegenen Menschen nicht gut an, weshalb die dann nur noch reflexartig ein Wort hervorstammeln können. Nazi.
Die AfD sieht sich, oft genug wird es ja betont, als die Oppositionspartei. Doch die Opposition, die sie gerne wäre, ist sie schon lange nicht mehr. Zu sehr haben die anderen Parteien ihre Forderungen in der AfD umsetzen können.
Nach Höcke sollte nun Andreas Kalbitz gefeuert werden. Weil das noch so ein Nazi ist. Und weil die Linken das so wollten.
Kalbitz hat maßgeblich den Brandenburger Landesverband mit aufgebaut. Ohne Andreas Kalbitz wäre die AfD bei weitem nicht so stark wie sie es ist.
Doch Kalbitz musste weg. Weil die Linken es so wollten und der Verfassungsschutz mit Beobachtung drohte.
Meuthen verfiel in die gleiche Schnappatmung wie kurz zuvor beim Namen Höcke und sorgte, diesmal erfolgreich, für den Parteiausschluss, weil Kalbitz bei seinem Parteiaufnahmeantrag keine Angaben über vorherige Parteimitgliedschaften gemacht hatte.
Das zum Zeitpunkt seiner Parteiaufnahme solche Fragen überhaupt nicht gestellt wurden, interessierte doch einen Jörg Meuthen nicht. Es zählte bei Gericht, was heute Bestand hat. Und heute muss jeder Parteiaufnahmeantrag eine Auskunft über vorherige Parteimitgliedschaften enthalten.
Wie ein deutsches Gericht eine solche Rechtsbeugung ungestraft durchführen konnte, dürfte wohl immer ein Geheimnis bleiben.

Erst kürzlich folgte Roland Hartwig. Nicht dem Parteiausschluss aber der fristlosen Entlassung aus dem Arbeitskreis Verfassungsschutz der AfD. Bei diesem Arbeitskreis geht es darum, wie mit dem Verfassungsschutz umgegangen werden soll und wie sich die Partei verhalten soll.
Hartwig gilt als ausgewiesener Experte in Sachen Verfassungsschutz und würde der AfD außerordentlich dienlich sein in Sachen VS. Doch Hartwig hatte den Parteiausschluss von Andreas Kalbitz kritisiert. Das reichte Meuthen, um sich seines schnellsten Pferdes im Stall zu entledigen.

Jörg Meuthen mag ein großartiger Redner und Argumentator sein, ein Stratege ist er keineswegs.

Bleibt nur zu hoffen, die AfD hat aus ihren vorherigen Fehlern gelernt, nämlich unmittelbar vor wichtigen Wahlen ihre Vorsitzenden zu entlassen.
Sei es seinerzeit Bernd Lucke, der gefeuert wurde, nachdem er mit dem Zeitpunkt eines Kredites von Olaf Henkel über eine Million Euro seine politischen Ansichten um 180 Grad drehte oder Frauke Petry, die gleiches tat. In dem Moment, ab dem sie mit Marcus Pretzell ins Bett stieg.

In diesem Jahr sind wieder Bundestagswahlen. Aber zuvor, im April, findet der Bundesparteitag der AfD statt.
Wird Meuthen gefeuert? Verpatzt die AfD wieder einmal ihre Chance auf gute bundesweite Wahlergebnisse, indem sie sich kurz vor der Wahl zerstreitet?
Oder wird man Meuthen noch ein Jahr aushalten und bis zum nächsten Bundesparteitag warten? Und wieviel Schaden kann Meuthen in einem Jahr noch anrichten?