Kolumne

Wo sind die Bauernproteste in Brandenburg?

In ganz Deutschland regt sich massiver Unmut der Landwirte gegen die neuesten Steuererhöhungen der Berliner Ampel. In ganz Deutschland? Nein, in Brandenburg ist es ruhig. Sehr ruhig. Einen kleinen Umzug mit fünf Fahrzeugen gab es in Wittstock und einen Konvoi mit 100 Fahrzeugen in Perleberg. Hier und da stehen vereinzelt kleinere Grüppchen in ihren Dörfern und regen sich auf. Doch woran liegt das? In erster Linie an den Brandenburgern selbst. Die wollen sich in Whatsapp-Gruppen organisieren. Das ist keine schlechte Idee. Doch der Brandenburger gönnt dem anderen nicht die Butter auf dem Brot. Und so dauerte es nur wenige Stunden, da kamen schon die ersten Nörgler des Weges und denunzierten fleißig. Ob dabei die Person versehentlich die falsche ist, spielt keine Rolle. Sie wissen, die Administratoren sperren sofort jeden Störer. Da könnte man auch grundsätzlich mitgehen. Aber sie sperren gleichzeitig auch die angegriffenen, die denunzierten Personen. Denn die könnten sich eventuell später zu Vorwürfen äußern und wären dann selbst Störer. Quasi eine vorgezogene Verurteilung. Das kennt man in Brandenburg, denn hier passiert alles 100 Jahre später, soll einmal der Kaiser gesagt haben.

Dieses Vorgehen wurde festgelegt von Roland Straßberger, dem Kassenwart des Landschaftsschutzvereins Brandenburg.
Straßberger organisiert die Bauernproteste in ganz Brandenburg. Dafür rekrutiert er in Whatsapp-Gruppen Unterstützer für die Bauernproteste. Und die kommen aus allen Schichten. Doch Landwirte sind die wenigsten davon. Die meisten sind Sofa-Terroristen, die Bilder am Computer malen, in denen sie schon jetzt am 08. Januar 2024 einen bundesweiten Generalstreik sehen. Andere wollen Strohballen auf Hauptstraßen abwerfen und entzünden, Supermärkte und Zentrallager blockieren oder Supermärkte theatralisch leer kaufen und durch gefälschte Telefonate Lieferengpässe vortäuschen.

Der Deutsche Bauernverband hat am 8. Januar zu einer Großveranstaltung in Berlin aufgerufen. Sinnigerweise genau der Tag, an dem die Gewerkschaft der Lokführer DGL einen bundesweiten Streik über mehrere Tage angekündigt hat. Wenn keine Züge fahren und gleichzeitig zehn-, zwanzig oder gar hunderttausend Traktoren Autobahnen und Landstraßen versperren und zugleich auch noch zahlreiche Speditionen ihre LKW Gespanne auf den Autobahnen quer stellen, könnte das Deutschland tatsächlich lahm legen. Dann wird nur in Brandenburg noch was gehen, denn hier wird man sich im Januar immer noch gegenseitig zerfleischen. Und die paar Reichsbürger, die schon jetzt in Straßbergers Gruppen herumgeistern, träumen immer noch vom großdeutschen Reich, während sie neue Interessenten rekrutieren.

Titelbild: Julia Koblitz