Billy Six ist in Deutschland angekommen

Berlin – Mit rund 30 Minuten Verspätung landete der Lufthansaflug aus Frankfurt/Main in Berlin Tegel. Ich unterhalte mich mit einer Frau, die auf ihre Tochter wartet. Mit uns dutzende Pressevertreter. Kameraleute, Fotografen, Journalisten. Und Billys Familie. Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten. Und Vertreter der AfD. Aus der Landtagsfraktion Brandenburg, aus der Bundestagsfraktion. Jemand hat Transparente mitgebracht.


Wir warten und warten, das Gepäckband läuft schon geraume Zeit. Ist Billy wirklich in den Flieger eingestiegen? Niemand weiß es. Plötzlich ruft die Frau erfreut „Da isse!“, alles dreht sich zu uns, will gerade losstürmen. Die Frau guckt erschrocken. „Nein, meine Tochter meine ich“. Ein Raunen. Weiter warten. Dann taucht er auf, reißt die Hände in die Höhe, Jubelschreie, er ist da, er ist wirklich da. Er hat 36 Stunden Flucht hinter sich, denn genau genommen hätte er Venezuela nicht verlassen dürfen, hatte die Auflage, sich alle 15 Tage bei der Polizei zu melden. Doch nach 119 Tagen Haft wegen nichts, wegen reiner Willkür, mit der Angst, bis zu 28 Jahre Gefängnis verurteilt zu werden, wollte Billy einfach nur weg. 119 Tage Isolationshaft. Kein sprechen, keine Aufgabe, kein Hofgang, kein gar nichts. 119 Tage warten auf das, was passieren kann, was passieren wird.
Er sieht schlanker aus, ausgemergelter, blass, zittert am ganzen Körper. Fast scheint es, als habe er selbst hier noch Angst, plötzlich von Schergen der SEBIN, des venezulanischen Geheimdienstes erneut verschleppt zu werden.

Billy Six erklärte, „Er müsse erst einmal verkraften, dass sein größter Gegner nicht der Diktator von Venezuela, sondern die Bundesregierung gewesen sei!“ und weiter: „Das Auswärtige Amt und Heiko Maas haben nach unseren Erkenntnissen die Freilassung eher blockiert als gefördert“. Auch die deutsche Botschaft hat sich offensichtlich in verantwortungsloser Weise verhalten: „Die deutsche Botschaft wollte mich dort lebendig verrecken sehen“ so Six. Ganz unrecht wird Billy damit nicht haben. Six‘ Eltern haben alles versucht, haben beim Bundestag dafür gekämpft, jemanden zu finden, der sich für ihren Sohn einsetzen könnte. Dann im Landtag Brandenburg.
Niemand interessierte sich dafür, einen deutschen Staatsbürger aus widerrechtlicher Gefangenschaft zu befreien oder wenigstens den Versuch zu unternehmen.
Und als hätten sie sagen wollen, „Wenn Ihr es nicht tut, machen wir es eben“, kümmerte sich die AfD um die Sache. Und prompt, also quasi sofort, erklärten alle anderen Fraktionen, allen voran die Grünen, die AfD instrumentalisiere Billy Six nur um ins Gespräch zu kommen. Und die Presse verkündete auch noch dazu, alle Parteien hätten grosse Anteilnahme gezeigt an dem Fall Billy Six und würden sich für ihn nach Kräften einsetzen. Nun kam es, dass Petr Bystron, Bundestagsabgeordneter der AfD sich auf einer Konferenz in Wien mit dem russischen Aussenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow traf und ihn bat, sich für Billys Freilassung einzusetzen. Ob Lawrow sich eingesetzt hat, weiss niemand.
Fakt ist jedoch, keine 24 Stunden später wurde Six aus der Haft entlassen.


Doch was nun folgen sollte, ist in Worte kaum zu fassen. Der venezuelanische Geheimdienst hatte Billy alles abgenommen, was er besass. Insbesonders seinen Reisepass und alles Bargeld. Die Presse berichtete, die deutsche Botschaft würde sich vollumfänglich und bestens um Billy Six kümmern. Billy erhielt von der deutschen Botschaft einen neuen Reisepass. Den musste er aber bezahlen. 77 US-Dollar. Die konnte Billy aufbringen. Auch erhielt er zwei Müsliriegel gegen den Hunger. Die musste Billy nicht bezahlen. Bei der Ausreise stellte man am Schalter fest, der Pass hat keinen Einreisestempel. Prompt liefen Leute der SEBIN in der Schalterhalle auf. Die Abgeordnete der venezolanischen Nationalversammlung Delsa Solorzano, eine zufällige Passagierin, springt als Vermittlerin und Schutzengel ein. Sie bringt Billy sicher durch die Migrationskontrolle, begleitet ihn ins Flugzeug und später beim Zwischenstopp in Panama City zu einem Hotel. Erstes Ziel erreicht. Es folgt Frankfurt/Main, dann Berlin Tegel.

Morgen findet um 11:30 Uhr eine Pressekonferenz zum Thema statt.

Billy Six mit seinen Eltern

Die weltweite Presse berichtete bereits über Billys Freilassung. Schweiz, China, USA, Russland, Grossbritannien, Frankreich, selbst die südamerikanische Presse, alle schreiben über Billy Six Heimreise und seine Ankunft.
Deutschland? Fehlanzeige. RBB berichtet kurz, Deutsche Welle berichtet kurz. Ende.

Billy bedankt sich bei Petr Bystron

 

Ein Foto für die Presse

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